Lärmfrei
leben
Güterumgehungsbahn in Hamburg-Eidelstedt

Wir haben unseren Abgeordneten angeschrieben und unsere Probleme geschildert. Der Abgeordnete hat unsere Fragen an die Bahn weitergeleitet. Der DB-Konzern hat eine Abteilung für Lärmmanagement, die uns geantwortet hat. Hier das ganze Schreiben mit unseren Anmerkung.


"Die Reduzierung des Schienenverkehrslärms ist ein zentrales Unternehmensziel der Deutschen Bahn, der Lärm soll bis 2020 im Vergleich zum Jahr 2000 halbiert werden. Die Lärmschutzstrategie der Deutschen Bahn fußt auf zwei Säulen, der Lärmsanierung an der Infrastruktur sowie der Umrüstung der Bestandsgüterwagen auf die Verbundstoffsohle.

Seit 1999 greift das freiwillige Lärmsanierungsprogramm des Bundes, welches explizit für die Bestandsstrecken zur Anwendung kommt. Bis Ende 2015 wurde bereits eine Strecke von 1.500 km lärmsaniert, 610 km Schallschutzwände errichtet sowie 55.300 Wohnungen mit Schallschutzfenstern ausgestattet.

Neben der Lärmsanierung durch bauliche Maßnahmen ist die Umrüstung der Güterwagen wesentlicher Baustein der Lärmminderungsstrategie. Um die Lärmbelastung des Schienengüterverkehrs flächendeckend zu reduzieren, hat die DB gemeinsam mit dem Bund die Entwicklung der sog. "Flüsterbremse" vorangetrieben. Im Juni 2013 wurde die LL-Verbundstoffsohle zugelassen, die 1:1 mit der Graugusssohle tauschbar ist und damit den Umrüstungsaufwand erheblich reduziert. Sie verhindert das Aufrauen der Räder und mindert somit das Rollgeräusch deutlich und bekämpft den Lärm direkt an der Quelle. Leise Bremssohlen vermindern den Lärm von Güterwagen in der Vorbeifahrt um 10 Dezibel, was gefühlt einer Halbierung des Lärms entspricht."

Unsere Gedanken dazu:
"Gemeinsam mit dem Bund..." Das ist natürlich richtig; die Formulierung kaschiert kaschiert jedoch, dass die Lärmschutzziele im Koalititonsvertrag stehen und dass darüber nachgedacht wird, sie zur Not auch gesetzlich durchzusetzen.


"Bereits seit 2001 beschafft DB Cargo neue Güterwagen mit leisen Sohlen. Zusätzlich ist die flächendeckende Umrüstung der Bestandsgüterwagen im vollen Gange. Ende 2015 sind damit insgesamt, d.h. unter Berücksichtigung von Neuwagen und umgerüsteten Wagen, bereits rund 21.000 Güterwagen bei DB Cargo mit Verbundstoffsohle ausgestattet. Bis Ende 2016 kommen weitere 11.000 Wagen hinzu, sodass 50 Prozent der in 2020 in Deutschland eingesetzten Wagen leise sind. Bis Ende 2020 werden alle relevanten Güterwagen der DB Cargo (insgesamt rund 64.000) das neue Bremssystem erhalten."

Unsere Gedanken dazu:
Es erstaunt uns nicht, dass das Jahr 2016 unbd das Jahr 2020 erwähnt werden. Im Jahr 2016 steht eine Überprüfung der bisher erreichten Ziele an, um ggf. seitens der Regierung den Druck zu erhöhen. Bis 2020 müssen nämlich die beschriebenen Ziele erreicht sein. Das ist nicht freiwillig seitens der Bahn, sondern es steht im Koalitionsvertrag.


"Zum Fahrplanwechsel am 9. Dezember 2012 wurde das lärmabhängige Trassenpreissystem (LaTPS) eingeführt. Hiermit wurde ein Anreizsystem geschaffen, das für alle Güterwageneigner die Umrüstung der Güterwagen bis 2020 flankiert. Derzeit liegt der Zuschlag für laute Güterwagen bei 2,5% auf den Trassenpreis. Im Gegenzug erhalten Eisenbahnverkehrsunternehmen für den Einsatz umgerüsteter Wagen einen Bonus.

Gern können Sie sich für weitergehende Informationen zum Thema Lärmminderung unser Lärmschutzportal im Internet anschauen: http://www1.deutschebahn.com/laerm/start/

Erlauben Sie mir, dass ich kurz auf Ihre Forderung nach Nachtfahrverbote eingehe. Die Umsetzung Ihrer Forderung würde erhebliche negative Auswirkungen nach sich ziehen. Dies dokumentiert eine Untersuchung des VDV, VPI und BDI aus dem Jahr 2014. Bereits die Reduzierung der Geschwindigkeit würde zu Kapazitätsverlusten führen und Zugtrassen könnten nicht oder nicht mehr nachfragegerecht angeboten werden. Dies hätte Folgewirkungen für die Nutzung des gesamten Schienennetzes. Letztendlich würde dies den Schienengüterverkehr erheblich schwächen. Die Verlagerung der Transporte auf andere Verkehrsträger wäre die Folge. Es ergibt sich lediglich eine Verschiebung der Lärmbelastung und keine Reduzierung. Alle Anstrengungen sollten deshalb darauf gerichtet sein, den Lärm zu mindern und gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit des Schienenverkehrs zu erhalten.

In Bezug auf die von Ihnen angesprochenen Erschütterungen existieren Richtwerte nach DIN 4150, Teil 2, an denen sich die DB AG beim Neu- und Ausbau von Strecken orientiert. Bei den dort angegebenen Werten handelt es sich nicht um rechtlich verbindliche Grenzwerte, sondern um empfohlene Anhaltswerte, deren Überschreitung nicht zwangsläufig zu einer erheblichen Belästigung von Menschen in Wohnungen und vergleichbar genutzten Räumen führen muss."

Unsere Gedanken dazu:
Mag sein, dass es Richtwerte für Neu- und Ausbau gibt, aber wir wohnen an einer alten Strecke. Neubau betrifft uns nicht. Es wurde zwar ausgebaut, aber der Ausbau wurde "Ertüchtigung" genannt - auch diese Richtwerte gelten also leider nicht bei uns.


"Anders als beim Neubau fehlen für Bestandsstrecken zurzeit sowohl fachliche Erkenntnisse zum Umfang der Belästigung als auch die Grundlagen für etwaige Sanierungsmaßnahmen. Es sind daher weitere Untersuchungen und Folgenabschätzungen notwendig, um die Anwohner vor unzumutbaren Belästigungen zu schützen."

Unsere Gedanken dazu:
Das klingt leider nach Verzögerung. Auch bleibt unklar, wieso der Grad der "Belästigung" davon abhängt, ob der Bau neu oder alt ist. Der Lärm und die Vibrationen sind da. Warum nicht einfach messen und Maßnahmen einleiten? Das verstehen wir noch nicht.


"Der Betrieb von Eisenbahnstrecken ist zwangsläufig mit der Eintragung von Schwingungen in den Baugrund und damit auch mit der Übertragung von Erschütterungen in die Gebäude verbunden. Diese lassen sich auch nicht vermeiden. Diese Schwingungseinwirkungen aus dem Bahnbetrieb auf die Bauwerke erreichen jedoch in keiner Weise eine Größenordnung, bei der mit einer Schädigung der Gebäudesubstanz gerechnet werden müsste. Sie liegen deutlich unter den Anhaltswerten einschlägiger Normen für die Beurteilung möglicher Schäden an Bauwerken (z.B. DIN 4150- Teil 3: „Erschütterungen im Bauwesen – Einwirken auf bauliche Anlagen“)."

Unsere Gedanken dazu:
Entschuldigung, da müssen wir widersprechen. Unsere Häuser haben Risse bekommen. Das ist ganz klar eine Schädigung der Bausubstanz. Es gibt Dokumentationen. Die Risse haben einen zeitlichen Zusammenhang mit der Zunahmen des Schienenverkehrs.


"Die Notwendigkeit der Lärmreduktion ist uns sehr bewusst und diese wird mit hoher Ernsthaftigkeit angegangen. Durch die laufenden Maßnahmen wird sich bis zum Jahr 2020 die Lärmbelastung deutlich reduzieren. Dies stellt eine wichtige Grundlage dafür dar, das Ziel "Mehr Verkehr auf die Schiene" zu erreichen und die Akzeptanz für den Verkehrsträger Schiene zu erhalten."

Unsere Gedanken dazu:
... und es steht im Koalititonsvertrag.


"Ich hoffe, Ihnen über die zahlreich angelaufenen Aktivitäten einen Überblick gegeben zu haben. Insbesondere die Umrüstung der Güterwagen auf die Flüsterbremse, die im vollen Gange ist, wird zunehmend wirksam werden und die Lärmbelastung erheblich reduzieren. Alle deutschen Wagenhalter haben sich zur Umrüstung bis Ende 2020 bekannt. Gemeinsam mit dem Bund werden wir weiterhin alle Anstrengungen unternehmen, das Ziel der Halbierung des Schienenverkehrslärms bis 2020 zu erreichen."


Liebe Bahn,
auf jeden Fall vielen Dank für die lange Antwort. Nur im Dialog kommen wir weiter.